10. Okt

Zwei Gebäude, zwei Charaktere – ein Look

Klinkerfassade verleiht I/D Cologne industriellen Charme

veröffentlicht am 10.10.2021 um 8:53 Uhr / von Katharina Remke

Ein komplett neues Gewerbequartier entsteht auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs von Köln-Mülheim. Sein Name: I/D Cologne. Auf insgesamt sieben Hektar stehen dann 160.000 m² für Büroflächen zur Verfügung – mit viel Platz für neue Ideen und Synergien mit dem Umfeld, das sich unter anderem zum Medien- und Kulturstandort entwickelt hat. Der Masterplan für das gesamte Areal und der Entwurf für die beiden ersten Bürogebäude – „Haus am Platz“ und „Patiohaus“ – stammen von RKW Architektur +. Für die Fassadengestaltung wählten die Architekten den Baustoff Klinker. Die Hagemeister-Sortierungen „Holsten GT“ und „Liverpool GT“ knüpfen an die benachbarte Klinkertradition an und garantieren eine langlebige und robuste Fassade.

Neues Leben, neue Begegnungen: Im Schanzenviertel von Köln wird mit dem Großbauprojekt I/D Cologne eine seit Jahren brachliegende Lücke zwischen Wohngebiet und Gewerbestandort im rechtsrheinischen Köln-Mülheim geschlossen. Hier wächst nun ein attraktives Gewerbegebiet, das neue Arbeits- und Lebensqualität schafft.

Vis-à-vis des denkmalgeschützten Komplexes des Drahtherstellers Felten und Guilleaume liegen die zwei ersten Gebäude des I/D Cologne an einem neuen Quartiersplatz. Beide Häuser, das „Haus am Platz“ und das „Patiohaus“, stammen aus der Feder von RKW Architektur + aus Düsseldorf. Projektleiter Christian Hein: „Wir haben uns bereits im Werkstattverfahren zum städtebaulichen Entwurf mit der Materialität und Formensprache bei diesem besonderen Projekt beschäftigt.“ Gerade die industriell geprägte Nachbarschaft, zu der neben Felten und Guilleaume auch das Carlswerk, E-Werk sowie Palladium zählen, boten mit ihrer zeitlos stabilen Architektur und historischen Klinkerfassaden Inspiration.

 

Wertiger und nachhaltiger Baustoff

Die beiden Häuser bilden gemeinsam eine städtebauliche Blockrandbebauung mit gleichen Geschosshöhen, sind jedoch real geteilt. Durch die Klinkerfassaden sind beide Komplexe eindeutig verbunden, aber differenziert durch eine unterschiedliche Gliederung: einmal horizontal, einmal vertikal. „Die Wahl des Materials Klinker war dabei nicht nur eine Referenz an die Umgebung. Es ging uns darum, Wertigkeit und Langlebigkeit zu transportieren, und das mithilfe von sauberen Details und klaren Strukturen“, so Christian Hein von RKW Architektur +.

Das Architekten-Team entschied sich für die in satten Brauntönen changierende Urbrand-Sortierung „Liverpool GT“ für das nördliche „Haus am Platz“, während das südliche „Patiohaus“ mit der dunkelroten Urbrand-Sortierung „Holsten GT“ verarbeitet wurde. Dabei kamen für beide Fassaden Klinkerriemchen im Dünnformat zum Einsatz. Mit ihrem dezenten Kohlebrand knüpfen beide Steinsorten im Duett an die bauliche Tradition an. Auch im Detail ging es bei der Gestaltung um das Spiel mit Gemeinsamkeiten und Gegensätzen. So setzten die Planer bei beiden Fassaden auf die lebendigen Farbabstufungen des Materials und attraktive Licht-und-Schatten-Effekte, andererseits kontrastiert die reduzierte Homogenität der südlichen Fassade mit dem expressiven Charakter der Vor- und Rücksprünge sowie den erhabenen Ziegelreihen des nördlichen Bauteils. „Die historische Nachbarschaft mit ihren Industriedenkmälern in klassischem Ziegelmauerwerk war für uns Inspiration, aber gleichzeitig auch Ansporn zu architektonischer Qualität – mit Wertigkeit und Atmosphäre.“

Aus einem Guss

In der Gesamtbetrachtung integrieren sich die Klinker als wichtige Elemente in das gestalterische Konzept – benutzbar, stabil, fast schon rau. So sind auch die Innenräume gekennzeichnet: Sichtbarer, unbehandelter Beton, offene Installationen, verzinkter Stahl und Stirnholzparkett sind die prägenden Bestandteile. Im Foyer wurden zudem Akustikklinker von Hagemeister zur Schallreduktion eingesetzt. Hinzu kommt – ebenfalls durch die benachbarten historischen Drahtwerke inspiriert – eine Gebäudebeschriftung als Drahtschrift. So wird die Tradition der Schanzenstraße stimmig in die Zukunft geführt.

Das Projekt ist LEED (Leadership in Energy and Environmental Design) zertifiziert. In den eingesetzten Ziegel sind 30 % Ziegelmehl enthalten, d.h. werksintern wiederverwertetes Material. Dies schlug sich im LEED-Scoring positiv nieder.

 

 



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    Jan Krause
    Gebürtiger Hamburger, geprägt von der Klinkerarchitektur der Speicherstadt, aufgewachsen in einem gelben Klinkergebäude (war in der 1960ern sehr modern, vgl. Grindelhochhäuser von Bernhard Hermkes), fasziniert von der Klinkervielfalt internationaler Architekturerkundungen in Venedig, Mexiko, Kuala Lumpur, New York und Shanghai, leitet den Masterstudiengang Architektur Media Management AMM an der Hochschule Bochum und betreibt Architekturvermittlung mit seinem office for architectural thinking in Berlin.
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    David Jan Wilk
    ■ Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Promotionsstudent - Lehrstuhl Grundlagen und Theorie der Baukonstruktion - TU Dortmund ■ Fritz-Höger-Preis für Backsteinarchitektur 2020 ■ Ausbildereignungsprüfung der HWK Dortmund 2019 ■ Freiberufliche Tätigkeit als Architekt seit 2018 ■ Master-Abschluss Juni 2018 ■ Jahrgangsbester im Bachelorstudiengang 2015 ■ Stipendiat im Deutschlandstipendium 2014 - 2017

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