29. Jan

„Klinker ist ein disziplinierendes Material“

IM GESPRÄCH MIT JAN PETER WINGENDER

veröffentlicht am 29.01.2016 um 12:07 Uhr / von Simone Müller

Jan-Peter-WingenderBeständige, funktionale und zum Ort passende Bauten charakterisieren die Architektur von Jan Peter Wingender, Mitgründer des Amsterdamer Büros Office Winhov. Im Interview spricht der Architekt, Hochschuldozent und Buchautor über Materialdenken, Veränderungen und Trends in der niederländischen Baukultur sowie seinen besonderen Bezug zum Baustoff Klinker.

Herr Wingender, wie würden Sie Ihre Architektur beschreiben? 

Jan Peter Wingender: In unserem Büro interessieren wir uns besonders für gewöhnliche Gebäude. Die Stadt ist auf Grundlage solcher Bauten geschaffen. Wir verstehen darunter Architektur, die sich nicht in den Vordergrund drängt, sondern sich mit dem städtebaulichen Kontext auseinandersetzt und in das Stadtgefüge integriert. Häufig werden solche Objekte fälschlicherweise als normal oder sogar banal eingestuft. Jedoch sind sie nicht einfach zu entwickeln. Hinter ihrer vermeintlichen Gewöhnlichkeit steckt eine Raffinesse, die ihnen schließlich einen Sinn verleiht. Sorgfältige Studien des Ortes und eine starke formale, materielle Präsenz charakterisieren unsere Designs.

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16. Okt

Expressionistische Ikone aus Backstein

Das Chilehaus in Hamburg

veröffentlicht am 16.10.2014 um 9:41 Uhr / von Simone Müller

Hagemeister_Chilehaus-(2)

von Lumu [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)]

Es ist ein Paradebeispiel für eindrucksvollen Backsteinexpressionismus – das im Jahr 1924 eröffnete Chilehaus. Das von der Backsteingotik der 1920er Jahre geprägte Gebäude ist eines der großen Aushängeschilder der Hansestadt. Architekt Fritz Höger hat den Bau im Auftrag des Hamburger Kaufmanns Henry Brarens Sloman entworfen. Mit 36.000 m2 Bruttogeschossfläche und bis zu zehn Stockwerken war das Chilehaus eines der ersten Hamburger Hochhäuser. Das Besondere an diesem eindrucksvollen Gebäude, das mit seiner charakteristischen Fassadenspitze an der Ostseite einem Schiffsbug ähnelt, ist der verwendete Klinker. Mit detailreichen Reliefs und in abwechslungsreichen Mustern verlegt, bringt das raue, deformierte Baumaterial Bewegung in die schwere Hülle des denkmalgeschützten Backsteinbaus.

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25. Nov

„Klinker altert elegant“

Interview mit Peter L. Wilson, Architekt und Büropartner bei BOLLES+WILSON GmbH & Co. KG in Münster

veröffentlicht am 25.11.2013 um 14:41 Uhr / von Heike Thelen

BOLLES+WILSON ArchitektenehepaarPeter L. Wilson ist Architekt und Büropartner bei BOLLES+WILSON GmbH & Co. KG in Münster. Für ihn ist Klinker eines der nachhaltigsten Baumaterialien. Denn energieeffizient zu bauen bedeutet für ihn, den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes zu betrachten. Mit Blick auf Langlebigkeit könne der Klinker seine Qualitäten voll ausspielen.

Was macht den Reiz des Klinkers aus?
Peter L. Wilson:
Seine Solidität. Klinker ist ein absolut dauerhaftes, würdiges Material. Er ist sehr robust. Sein Reiz besteht in seiner charakteristischen Optik ebenso wie in seiner Masse.

Welche besonderen Qualitäten des Klinkers sind für Ihre Entwürfe entscheidend?
Peter L. Wilson:
Etwa 40 bis 50 Prozent unserer Bauwerke bauen wir mit Klinker. Bauherren sind immer beruhigt, wenn wir Klinker einsetzen. Er hat eine allgemeine Akzeptanz, weil er ein sehr bekanntes und vertrautes Material ist. Denn Klinker altert sehr elegant. Andere Materialien müssen gepflegt werden. Klinker mit Patina ist dagegen noch schöner als neuer Klinker.

Warum prägen dann so viele Betonbauten die aktuelle Architektur?
Peter L. Wilson:
In dieser Frage gilt es, kurzfristige Effekte und langfristige Qualitäten zu unterscheiden. Beton ist zurzeit sehr „in“. Aber wir alle wissen, dass Beton im Außenbereich bei weitem nicht die Langlebigkeit hat wie Klinker. Bei der Materialwahl muss man die ganze Lebensdauer des Gebäudes im Auge behalten. Deshalb verwenden wir von BOLLES+WILSON außen fast nie Sichtbeton. (mehr …)



Unsere Autoren

  • Marcel Lohmann
    Marcel Lohmann
    Marketingleiter, Hagemeister
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    freie Redakteurin
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    Katharina Remke
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    Jan Krause
    Gebürtiger Hamburger, geprägt von der Klinkerarchitektur der Speicherstadt, aufgewachsen in einem gelben Klinkergebäude (war in der 1960ern sehr modern, vgl. Grindelhochhäuser von Bernhard Hermkes), fasziniert von der Klinkervielfalt internationaler Architekturerkundungen in Venedig, Mexiko, Kuala Lumpur, New York und Shanghai, leitet den Masterstudiengang Architektur Media Management AMM an der Hochschule Bochum und betreibt Architekturvermittlung mit seinem office for architectural thinking in Berlin.
  • David Jan Wilk
    David Jan Wilk
    ■ Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Promotionsstudent - Lehrstuhl Grundlagen und Theorie der Baukonstruktion - TU Dortmund ■ Fritz-Höger-Preis für Backsteinarchitektur 2020 ■ Ausbildereignungsprüfung der HWK Dortmund 2019 ■ Freiberufliche Tätigkeit als Architekt seit 2018 ■ Master-Abschluss Juni 2018 ■ Jahrgangsbester im Bachelorstudiengang 2015 ■ Stipendiat im Deutschlandstipendium 2014 - 2017

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