06. Feb

Stilvolles Wohnen am Wasser

Vom einstigen Schlachthofviertel zum hippen Erholungsgebiet

veröffentlicht am 06.02.2019 um 16:51 Uhr / von Marcel Lohmann

AMSTERDAM - Die Cruquius Insel im Osthafengebiet in Amsterdam wandelt sich gerade vom Industrieareal zum Wohn- und Arbeitsquartier, wobei der robuste Charakter erhalten bleibt. Nach den Plänen des Den Haager Architekturbüros Geurst & Schulze wurden auf dem Cruquius Eiland zwei Wohn- und Geschäftsgebäude realisiert.

Auf dem breiten Kai entlang einer alten Eisenbahnlinie spazieren, auf den Terrassen des alten Pumpenhauses verweilen oder in einem der zahlreichen Cafés und Restaurants mit Blick aufs Wasser seine Zeit genießen: Cruquius ist eine charakteristische Mischung aus Alt und Neu. Seit 2011 wandelt die Stadt Amsterdam die Insel von einem Industrie- und Gewerbegebiet zu einem Wohn- und Arbeitsquartier um. Innerhalb des Autobahnrings liegend und von den Gewässern des Entrepothavens, des Amsterdam-Rhein-Kanals und des Nieuwe Vaart umgeben, bietet dieses Gebiet großes Potenzial für die Stadtentwicklung.

EIGENINITIATIVE GEFRAGT

Die Erneuerung des Cruquius-Reviers unterscheidet sich von anderen Gebietsentwicklungen in Amsterdam. So gibt es keinen ganzheitlichen Stadtentwicklungsplan für die Insel. Stattdessen wird unterschiedlichen Projektentwicklern die Möglichkeit geboten, ihrer Kreativität im Rahmen einer vorgegebenen „Spielregelkarte“ einzusetzen. Diese gibt die Rahmenbedingungen für die Bebauung auf der Cruquius Insel vor. Die Restrukturierung des Areals im östlichen Hafengebiet soll 2030 abgeschlossen sein.

KLINKER AM WASSER

Auf dem einstigen Firmengelände der Betonfabrik Albeton realisierte der Projektentwickler Amvest zwei L-förmige Wohn- und Geschäftsgebäude. In dem vom Büro Geurst & Schulze architecten entworfenen Komplex finden sich 116 Mietwohnungen, 3 Gewerbeflächen und 66 unterirdische Parkplätze. Die L-förmigen Gebäude auf dem Grundstück 1.1. im Planungsgebiet geben den Bewohnern eine optimale Aussicht auf das Wasser des Entrepothavens sowie auf die Architektur der gegenüberliegenden Borneo-Insel. Die Bauten umschließen einen Innenhof mit Privatterrassen und einem Gemeinschaftsareal.

Die Fassaden von Cruquius 1.1. sind plastisch mit Säulen, horizontalen Leisten und weit herausragenden Balkonen gegliedert. Die obersten zwei Wohnetagen liegen zurück und bieten Raum für tiefe Dachterrassen, die sich über die gesamte Breite der Wohnungen erstrecken. Für die Fassadengestaltung kamen Hagemeister Klinker  der Sortierung Langeland HSG zum Einsatz: „Klinker passt in dieses vom Wasser umgebene Gebiet mit seiner industriellen Vergangenheit. Das Material ist zudem zeitlos und nachhaltig“, sagt Architekt Jeroen Geurst. Der städtebauliche Wunsch, weiße Gebäude zu bauen, wurde mit der Verwendung den Nottulner Klinkers erfüllt. „Wir wollten jedoch keinen schneeweißen Wohnblock, sondern einen Bau in einem gebrochenen Weiß“, fügt Geurst hinzu. Der Langeland HSG Stein verfügt über beige-weiße Grundtöne mit dezenten schwarz-anthraziten Kohleaufschmauchungen.

VERSTÄRKTES SCHATTENSPIEL

Neben traditioneller Mauerweise wurden speziell für die horizontalen Fassadenteile vorgefertigte Klinkerelemente gewählt. Der Vorteil liegt für den Projektarchitekten auf der Hand: „Durch den Einsatz von Klinkerfertigteilen benötigt man vor allem bei den Balkonen keine Hilfskonstruktionen für die Klinkerarbeiten. Vertikale Arbeiten sind zudem schwierig per Hand zu mauern.“ Bei der Fassade wurde ohne Stoßfugen gearbeitet. Zusammen mit einer zurückliegenden Fuge und dem lang gestreckten Format des Klinkers entstand hier ein interessantes Schattenspiel, das am Gebäude für eine „architektonische Schärfung“ sorgt.

Das Gebäude wurde 2018 mit dem Amsterdamer Zuiderkerkpreis ausgezeichnet. In der Jurybeurteilung hieß es: „Es war die Einfachheit und Genauigkeit, die die Jury besonders überzeugte“.

PROJEKTDATEN

Architektur: Geurst & Schulze architecten, Den Haag

Auftraggeber: Amvest, Amsterdam

Bauherr: de Nijs, Amsterdam

Klinker: Langeland HSG

Format: ModF (290 x 90 x 45 mm)

Verklinkerte Fassadenfläche: ca. 3.000 m²



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