28. Feb

Solitärhafter Charakter

Plastizität als Bezug zur industriellen Geschichte

veröffentlicht am 28.02.2022 um 11:26 Uhr / von Katharina Remke

Das Europaviertel in Frankfurt, zentral zwischen Messe und Hauptbahnhof gelegen, ist das letzte große innerstädtische Entwicklungsgebiet in der Rhein-Main-Metropole. Passend zur typischen Hochbauweise des Gebiets fügen sich die beiden Neubauten der Deutschen Bahn AG – der massive „DB Tower“ im Ensemble mit dem Bürogebäude „The Brick“ – harmonisch in die Umgebung ein. Die im Wettbewerb siegreiche Fassadenkonzeption von Aldinger Architekten aus Stuttgart wurde von Schmidt Plöcker Architekten PartG mbB als führender Entwurfsplaner in den laufenden Planungsprozess adaptiert. Das Klinkerwerk Hagemeister fertigte für beide Komplexe Objektsortierungen.

Auf Grundlage eines Masterplans von A&P, Albert Speer + Partner GmbH, Frankfurt, entsteht im Europaviertel ein neuer Stadtteil. Der Masterplan setzt Blockrandstrukturen entlang einer repräsentativen Achse, einem grünen großstädtischen Boulevard. Dabei werden die Blockränder durch 60 m hohe Markierungspunkte akzentuiert. Der in Form und Grundriss vorgegebene „DB Tower“ soll über seine Fassadengestaltung zum einen im Dialog zum Blockrand stehen und zum anderen einen eigenständigen Ausdruck erhalten.

Gelungenes Gebäudeensemble

„Eine Architektur ohne aufgeblasenes Ego“, so beschreibt Christian Schmidt vom ausführenden Büro das Konzept der beiden Objekte. „The Brick“ und der „DB Tower“ wirken nicht wie Zwillinge, aber doch wie Geschwister. Zwei selbstbewusste Stadtbausteine, die sich zurückhaltend in den Raum einfügen. Inspiriert von den Industriebauten der 1920er-Jahre kommen die Baukörper mit klar gegliederten und plastischen Klinkerfassaden sowie großzügigen Fenstern daher. „Die Fassaden nehmen damit Bezug auf die Geschichte des heutigen Europaviertels, das auf Konversionsflächen des ehemaligen Hauptgüterbahnhofs in Frankfurt entwickelt wurde“, führt Schmidt aus.

Klinker als Schnittstelle

Die Gebäudehülle von „The Brick“ gliedert sich durch einen zweigeschossigen Sockel und einer viergeschossigen Regelfassade. Diese wird durch breite Pfeiler und gemauerte Deckenblenden charakterisiert. Zusätzliche Reliefs durch Rücksprünge rhythmisieren den Baukörper harmonisch. Eingesetzt wurde eine Objektsortierung, die durch ihre dunkelrot-braunen Grundtöne mit intensivem Kohlebrand besticht. Die Fassade des „DB Tower“ wurde mit Klinkerfertigteilen verarbeitet. „Sie entwickelt sich aus Einzelfenstern als stark gerasterte Lochfassade. Jedes Fensterelement verfügt über ein gestaffeltes Relief durch eine differenzierte Profilierung von Laibung, Sturz und Fensterbank“, erläutert der Architekt. Hier kam eine dunkelrote Objektsortierung zum Einsatz. Auch dieser Stein weist einen charakterstarken Kohlebrand auf. „Klinker ist für uns ein Symbol von Bodenständigkeit, Beständigkeit und Wärme. Hightech ist unverzichtbar, aber am Ende ist ein realer Baustoff die Schnittstelle zwischen Nutzer und gebauter Hülle. Die Ziegel von Hagemeister haben eine einzigartige Textur, ein Material, das dauerhaft ist und in Würde altern kann“, weiß Schmidt.

Spannungsreicher Mix

Verschiedene Materialien bestimmen den Entwurf. Neben Klinker wurden auch Beton, Metall und viel Glas für die Gebäudehülle verwendet. Die dunkelgrauen Aluminium-Fenster harmonieren optisch mit den dunkelroten Klinkern. Auch außergewöhnliche Fassadenelemente geben den Komplexen einen besonderen Charakter. So springt bei „The Brick“ ein Staffelgeschoss in der Gebäudeebene zurück und ist mit einer hellen Putzfassade abgesetzt. Darüber erheben sich die Technikgeschosse, die sich mit ihren anthrazitfarbenen, horizontal verlaufenen Metall-Lamellen dezent zurücknehmen. Beide Stadtbausteine sind durch ihre Materialität eine gelungene Abwechslung in der generischen Abfolge von Gebäudehüllen auf der Europaallee in Frankfurt.

 

Projektdaten

Architektur: Schmidt Plöcker Architekten PartG mbB, Frankfurt am Main
Fassadenkonzeption: Aldinger Architekten, Stuttgart
Klinker: Objektsortierungen
Format:
The Brick – Klinkerriemchen DF 240x15x52 mm
DB-Tower – Klinkerriemchen für Fertigteile SF 215x20x65 mm
Verklinkerte Fassadenfläche:
The Brick – 7.500 m²
DB Tower – 7.800 m²



Unsere Autoren

  • Marcel Lohmann
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    Marketingleiter, Hagemeister
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    freie Redakteurin
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    Jan Krause
    Gebürtiger Hamburger, geprägt von der Klinkerarchitektur der Speicherstadt, aufgewachsen in einem gelben Klinkergebäude (war in der 1960ern sehr modern, vgl. Grindelhochhäuser von Bernhard Hermkes), fasziniert von der Klinkervielfalt internationaler Architekturerkundungen in Venedig, Mexiko, Kuala Lumpur, New York und Shanghai, leitet den Masterstudiengang Architektur Media Management AMM an der Hochschule Bochum und betreibt Architekturvermittlung mit seinem office for architectural thinking in Berlin.
  • David Jan Wilk
    David Jan Wilk
    ■ Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Promotionsstudent - Lehrstuhl Grundlagen und Theorie der Baukonstruktion - TU Dortmund ■ Fritz-Höger-Preis für Backsteinarchitektur 2020 ■ Ausbildereignungsprüfung der HWK Dortmund 2019 ■ Freiberufliche Tätigkeit als Architekt seit 2018 ■ Master-Abschluss Juni 2018 ■ Jahrgangsbester im Bachelorstudiengang 2015 ■ Stipendiat im Deutschlandstipendium 2014 - 2017

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