05. Okt

Praxistipp Mauerwerk

Stein für Stein zur Traumfassade

veröffentlicht am 05.10.2012 um 11:42 Uhr / von Marcel Lohmann

tipp_mauerwerk1tipp_mauerwerk2tipp_mauerwerk3Mit architektonischen Mauerwerks-Lösungen entdecken Architekten und Bauhandwerker die handwerkliche Kunst der Fassadengestaltung neu. „Rein technisch gesehen ist die Einfachheit der Konstruktion ein wesentliches Kennzeichen des Mauerwerksbaus. Man kann fast alle Arten von Bauwerken mit Mauerwerk errichten“, erläutert Dr. Dieter Figge, Geschäftsführer des Ziegel-Zentrums, Fachverband Ziegelindustrie Nordwest e.V., die Qualität des Mauerns. Als Außenwand in einem zweischaligen Mauerwerk erhöht der keramische Baustoff außerdem den Wohnkomfort. Eingehüllt in hochwertigen Klinker sind Gebäude zusätzlich vor widriger Witterung geschützt.

Damit Klinker als natürlicher Baustoff seine Produkteigenschaften entfalten kann, gilt es, bautechnische Regeln einzuhalten. Diese sind in der DIN 1053 festgelegt. Die Norm wird derzeit europäisch novelliert und fließt ein in den Eurocode 6 zur Bemessung und Konstruktion von Mauerwerksbauten.

  1. Kraftvoller Verband

Das Mauern im Verband ist durch die DIN 1053 eindeutig geregelt. Die Norm schreibt unter anderem für die versetzte Anordnung der Steine und die Fugendicke verbindliche Maße vor.

Technische Komponente

Überbindemaß: Durch Versetzen der senkrecht übereinanderliegenden Stoß- und Lagerfugen werden Lasten und Kräfte gleichmäßig auf den ganzen Mauerquerschnitt verteilt. Dieser Versatz, das Überbindemaß, muss mindestens 4,50 Zentimeter betragen und richtet sich nach der Höhe des Klinkers. Die versetzte Anordnung der Steine nimmt Belastungen der Umwelt auf. Dadurch wird die Klinkerfassade zu einer schützenden Hülle für das Bauwerk.

Gestalterische Komponente

Fugen: Fugen dienen dem Ausgleich unvermeidlicher Maßtoleranzen der Ziegel. Ihre Dicke soll so gewählt werden, dass das Maß von Stein und Fuge dem Baurichtmaß bzw. dem Koordinierungsmaß entspricht.

Verbände: Regel- oder Zierverbände wie Holländischer Verband, Läuferverband, Blockverband oder wilder Verband ermöglichen vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten und Akzentuierungen der Fassade. Im Zusammenspiel mit effektvollen Schränk-, Läufer- oder Rollschichten lassen sich individuelle Mustervarianten, Ornamente und Texturen realisieren.

  1. Vom individuellen Stein zur homogenen Wand

„Für ein schönes homogenes Mauerwerk aus natürlichen Rohstoffen mit dem charakteristischen Farbspiel unterschiedlicher Nuancen und Schattierungen sind Klinker bei ihrer Verarbeitung aus mehreren Paketen querzumischen“, rät Dr. Christina Hagemeister, Mitinhaberin des Klinkerwerkes Hagemeister. Dazu müssen die Klinker treppenförmig aus den Paketen entnommen werden und nicht Lage für Lage. Klinker für Klinker prägt die Kraft des Brennprozesses unterschiedlich, und so ist jeder für sich ein Unikat. Der einzelne Stein bringt dann durch die gute Vermischung mit anderen ideal seine optischen Qualitäten in das Gesamtbild ein.

  1. Sorgfalt garantiert Sicherheit

Bis zum vollständigen Abbinden des Mörtels muss frisches Mauerwerk vor Feuchtigkeit geschützt werden. Bei Arbeitsunterbrechungen oder starkem Regen sind frisch gemauerte Wandabschnitte flächig mit Plane abzudecken. So bekommt das handwerklich erstellte Mauerwerk seine nötige „Ruhe“, um danach seine langlebigen und optisch ansprechenden Qualitäten voll zu entfalten.

  1. Sauberes Fugenbild

„Gutes Mauerwerk zeichnet sich durch klassisches sauberes Fugenbild aus“, nennt Dr. Figge ein Qualitätsmerkmal, das die gesamte Fassade prägt. Dafür ist grundsätzlich sauberes Mauern die wichtigste Voraussetzung. Kleinere Unreinheiten können anschließend mit der Wurzelbürste oder einem Hochdruckreiniger und ausschließlich mit Wasser entfernt werden.

Bei der Verfugung der Klinkerwand gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder wird der Mauermörtel direkt eingesetzt, um die Fugen frisch in frisch auszubilden. Dieses Verfahren heißt Fugenglattstrich, da überquellender Mörtel sorgfältig abgestrichen wird. Oder es kommt zu einer nachträglichen Verfugung. Dazu werden die Mauermörtel-Fugen nach Antrocknen des Wandaufbaus 15 bis 20 Millimeter tief ausgekratzt und anschließend mit speziellem, erdfeuchtem Fugenmörtel verfugt.

Um das Bauen mit Ziegeln weiter zu vereinfachen, erarbeitet der Fachverband Ziegelindustrie derzeit Regeldetails zur Berechnung von Statik, Wärmeschutz und Schallschutz im Mauerwerk. „Durch ein ergänztes Regelwerk wird es für Statiker und Planer deutlich einfacher, Ziegelfassaden zu berechnen“, stellt Dr. Figge in Aussicht.

Klinker gewinnt als Gestaltungsmaterial ausdrucksstarker Fassaden wieder mehr an Bedeutung. Außerdem führt er den Trend reduzierter Architektur und Formensprache fort: Der Planer setzte einzelne Bauteile besonders in Szene oder bricht lange Gebäudefluchten wirkungsvoll auf. Farblich abgesetzte Ornamente beleben großflächiges Mauerwerk, Loch-Fassaden erlauben außergewöhnliche Einblicke, und reizvolle Mauerwerk-Akzentuierungen dringen in die dritte Dimension der Fassadengestaltung vor.


Kommentare

  •  Raab, Michael  am 15.05.2016 um 10:56 Uhr:
    Unterer Abschluss klinkerriemchen mit Dämmung, welche Möglichkeiten gibt es um nachträglich einen optisch schönen Abschluss zu erhalten,da der untere Abschluss unsauber, teilweise unge- rade geschnitten wurde. Bitte übersenden Sie mir eventuell Prospektmaterial an nachstehende Anschrift.

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