27. Sep

Klinker verbindet und vertieft

Großes Wohnbauprojekt in Utrechter Arbeiterviertel setzt Backstein-Architektur ein Denkmal

veröffentlicht am 27.09.2019 um 9:58 Uhr / von Katharina Remke

Einen Anschluss an die Nachbarschaft finden und einen Zusammenhang in der Architektur schaffen: Das waren die Leitgedanken für die 136 Einfamilienhäuser und 64 Appartements, die LEVS architecten für das Utrechter Wohnquartier Fruitbuurt Noord entworfen hat. Die Hagemeister-Klinkersortierung Schleswig GT spielt dabei eine wichtige Rolle. Die damit gestalteten Fassaden richten sich nach der bestehenden Backsteinarchitektur, gleichzeitig verbinden die charakteristischen Bänder aus stehendem und liegendem Mauerwerk den Neubau zu einem sichtbar einheitlichen Ensemble.

Das Wohngebiet Fruitbuurt Noord in Utrecht-Ondiep ist ein klassisches Arbeiterviertel mit Bausubstanz überwiegend aus den Vorkriegsjahren. Das Viertel wird momentan phasenweise mit Neu- und Sanierungsprojekten aufgewertet. Das Amsterdamer Büro LEVS architecten konzipierte für zwei Areale insgesamt 64 Appartements und 136 Einfamilienhäuser mit einer Mischung aus Sozialwohnungsbau sowie Miet- und Kaufobjekten. Die Neubauten sind großzügig entlang der breiten Laan van Chartroise verteilt. Hinter dieser Durchgangsstraße sind einige Abschnitte mit Einfamilienhäusern angelegt. Die 64 Appartements gliedern sich über zwei Blöcke mit herausragenden, gemauerten Balkonen. Entlang des Ondiep, der Framboosstraat und der Aardbeistraat entwarf LEVS architecten moderne Einfamilienhäuser mit zwei Geschossen und Dächern aus roten Ziegeln.

Anschluss an die Nachbarschaft

„Die Architektur schließt sich in beiden Fällen ganz bewusst an die Nachbarschaft an“, erläutert Projektarchitekt Adriaan Mout. „Fruitbuurt Noord ist geprägt von typischem Städtebau der Vorkriegsjahre mit ganzen Reihen von Einfamilienhäusern. Hier präsentiert sich das Utrechter Arbeiterviertel dörflich mitsamt schlichter Gartenhausarchitektur, roten Klinker und Dachpfannen, dazu ein kleiner Garten und ein Weg hinter dem Haus.“ Die Neubauten schließen mit derselben Größe an die bestehende Bebauung und den dörflichen Charakter an. An der Laan van Chartroise ist für die Fassaden ein städtisches Profil mit vier bis fünf Geschossen die Norm. „Unsere zwei Appartementgebäude schließen sich auch hier architektonisch an die bereits realisierten Neubauten entlang dieser Hauptstraße an“, ergänzt Mout.

Klassisches Dunkelrot für die Fassaden

Die Fassaden aller Häuser und Appartements von LEVS architecten wurden mit der warmen ziegelroten, kohlegebrannten Hagemeister-Sortierung Schleswig GT gemauert. „Die bestehende Bebauung war mit besandetem Backstein in Rot und Gelb realisiert worden. Die Fassaden dieser Wohnblöcke sind mittlerweile bereits reichlich verblasst – am örtlichen Backstein hat der Zahn der Zeit deutlich genagt“, erzählt der Projektarchitekt. „Wir haben einen härteren Hagemeister-Klinker gewählt, dessen Schönheit lange währt. Der Schleswig GT hat dank Kohlenbrand und Sinterung darüber hinaus eine Wärme und Lebendigkeit, mit der wir in der neuen Architektur eine Vertiefung realisieren konnten. Die Oberflächentextur sorgt zusammen mit der nachhaltigen Qualität des Klinkers für eine Bereicherung an den langen Wänden und den sich wiederholenden Fassaden.“

Bänder gliedern die große Fläche

Die Fassaden sowohl der Appartementgebäude als auch der Einfamilienhäuser haben eine auffallende Gliederung aus Bändern, die stehend und liegend gemauert sind und zwei verschiedene Fugenfarben haben. „Diese Bänder verbinden die Blöcke und die Abschnitte, wobei wir sehr auf die Gestaltung der Ecken, Eingänge, den Übergang vom Öffentlichen zum Privaten und auf eine sorgfältige handwerkliche Qualität geachtet haben“, so Adriaan Mout. „Bei den Einfamilienhäusern ist das Band als Sockel angepasst, das ab und an nach oben hin verläuft und bis an das Dach reicht. Zugleich haben wir die Pfannendächer hier und da etwas nach unten durchgezogen.“

Die horizontal gemauerten Fassadenbänder sind im Wilden Verband mit einer anthrazitfarbenen Fuge ausgeführt worden, die vertikalen im Halbsteinverband mit einer hellgrauen Fuge. „Der Klinker passt zu den verschiedenen Fugenfarben. Wir haben lange gesucht, um an den Fassaden eine Balance zwischen den Baukörpern und Abschnitten und einer robusten architektonischen Ansicht herzustellen – bei der wir die Bänder in der Fassade sehr präsent herausstellen wollten“, sagt Adriaan Mout. Klinker findet sich darüber hinaus an den Gartenmauern wieder, um den Zusammenhang zwischen den Gebäuden an und hinter der Laan van Chartroise zu verstärken. Die gemauerten Partien an den Balkonen sind Prefab gefertigt. Bei den Innenhöfen zwischen den Einfamilienhäusern entschieden sich die Architekten von LEVS an der Fassade für die sandgelbe Hagemeister-Sortierung Rostock.

Projektdaten

Architektur: LEVS architecten, Amsterdam
Auftraggeber: Mitros, Utrecht (Mietsektor), Zondag Ontwikkeling, Tiel (Eigentum)
Projektarchitekten: Adriaan Mout, Jurriaan van Stigt, Marianne Loof
Generalunternehmer: Van Wijnen, Eibergen; BAM, Bunnik
Klinker: Schleswig GT, Rostock GT (Innenhof)
Format: WF (210 x 100 x 51 mm)
Verklinkerte Fassadenfläche: ca 5.500 m²



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