23. Okt

Auf den Spuren des Baustoffs Klinker – Teil 1

Frühe Hochkulturen

veröffentlicht am 23.10.2020 um 7:05 Uhr / von Katharina Remke

Backstein zählt zu den ältesten Baustoffen der Menschheit. Konstruktionen, die mit diesem nachhaltigen Material gefertigt wurden, überdauern Generationen und sind zum größten Teil auch heute noch erhalten, so z. B. Partien der Chinesischen Mauer oder die Hagia Sophia in Istanbul. In unserer Blog-Reihe „Auf den Spuren des Baustoffs Klinker“ stellen wir den langen Weg von den ersten Lehm-Ziegeln bis zur heutigen Brennkunst des Klinkers vor. Im ersten Teil widmen wir uns den Urformen des Materials vor 12.000 Jahren bis zur Spätantike.

Schon in der Jungsteinzeit wurden Ziegel hergestellt und verarbeitet. Vor 12.000 Jahren bauten die Menschen in Jericho neben Holz, Stein und Pflanzenfasern mit dem Vorläufer des gebrannten Ziegels. Dieser bestand aus luftgetrocknetem, ungebranntem Lehm. So wurde das Material aus dem Erdreich mit Wasser vermischt und die Masse von Hand in eine ungefähre, rechteckige Form geknetet. Nach dem Trocknen in der Sonne wurden die Steine zu dicken Mauern gestapelt und mit weiterem Lehm vermörtelt. Diese Bauweise hatte ausschließlich in sehr trockenen Gegenden Bestand, da häufiger Regen das Material aufweichen ließ. In Mesopotamien fertigten die Sumerer um 6.300 v. Chr. erstmals Ziegel mit glattgestrichener Form. Füllstoffe wie Sand, Stroh und Tierkot sorgten für zusätzliche Festigkeit. Sowohl einfache Häuser als auch Monumentalbauten der ersten Dynastien wurden mit dem Baustoff errichtet.

Erste Brennprozesse

Erst 3.500 v. Chr. etablierte sich die Technik des Brennens. Der Herstellungsprozess war für die damalige Zeit extrem schwierig. Damit aus den getrockneten Lehmziegeln widerstandsfähige Mauerziegel wurden, mussten diese für eine gewisse Dauer bei konstanten Temperaturen um 1.000 °C in Öfen gebrannt werden. Die Gefahr war groß, dass die Ziegel dabei zu heiß wurden und schmolzen. Eine zu niedrige Temperatur führte dagegen dazu, dass die Steine zerfielen, nachdem sie aus dem Ofen kamen. Es musste also eine optimale Brenntemperatur erreicht werden. Hinzu kam, dass nicht jede Art von Lehm und Ton zum Brennen geeignet war. Nur mit viel Erfahrung gelang es, die richtige Materialauswahl zu treffen.
Backsteine waren in den frühen Hochkulturen besonders wertvoll und genossen Luxus-Status. Die ersten perfekt gebrannten Einhandziegel entstanden erstmals um 2.800 v. Chr. in der damaligen Indus- oder Harappa-Kultur. Herausragendes Beispiel für den späteren Einsatz von Glasuren und Brenntechniken ist das Ischtar-Tor, das um 600 v. Chr. entstand und heute im Pergamonmuseum in Berlin zu sehen ist. Die Glasur in Blau und Gold wurde als Brei auf die Tonziegel aufgebracht und anschließend gebrannt.

Bauweise bis heute erhalten

Ab etwa 1.000 v. Chr. kamen Backsteine auch in der chinesischen Architektur zum Einsatz. Zu den bedeutendsten und wohl bekanntesten Konstruktionen aus Ziegel und Stein gehört die Chinesische Mauer, die mit einer Länge von 6.350 Kilometern das größte Bauwerk der Welt ist. Die chinesischen Backstein-Aufbauten zeichnen sich aus durch den Einsatz ganz besonderer Mörtelmischungen, die mit einer Art Reis-„Kleber“ angereichert wurden. Zudem errichtete man Hohlmauerwerke, die mit Schutt aufgefüllt wurden. Das Prinzip, nach dem in China Backsteinhäuser errichtet wurden, hat sich kaum verändert. Lediglich dekorative Details an den Fassaden haben sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt.

Der Ziegelbau ist eine der ältesten Bauarten der Menschheit und machte im Laufe der Zeit eine beeindruckende Entwicklung. Im nächsten Teil werfen wir einen genaueren Blick auf die Spätantike.



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    Gebürtiger Hamburger, geprägt von der Klinkerarchitektur der Speicherstadt, aufgewachsen in einem gelben Klinkergebäude (war in der 1960ern sehr modern, vgl. Grindelhochhäuser von Bernhard Hermkes), fasziniert von der Klinkervielfalt internationaler Architekturerkundungen in Venedig, Mexiko, Kuala Lumpur, New York und Shanghai, leitet den Masterstudiengang Architektur Media Management AMM an der Hochschule Bochum und betreibt Architekturvermittlung mit seinem office for architectural thinking in Berlin.
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    David Jan Wilk
    ■ Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Promotionsstudent - Lehrstuhl Grundlagen und Theorie der Baukonstruktion - TU Dortmund ■ Fritz-Höger-Preis für Backsteinarchitektur 2020 ■ Ausbildereignungsprüfung der HWK Dortmund 2019 ■ Freiberufliche Tätigkeit als Architekt seit 2018 ■ Master-Abschluss Juni 2018 ■ Jahrgangsbester im Bachelorstudiengang 2015 ■ Stipendiat im Deutschlandstipendium 2014 - 2017

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