13. Apr

Zufallsfund führt zu einem historischen Ziegelbrandofen

Juwel der traditionellen Brennkunst schlummerte jahrhundertelang im Boden

veröffentlicht am 13.04.2017 um 10:24 Uhr / von Dorota Wilke / 1 Kommentar

Manchmal sucht man nicht – und findet trotzdem. So erging es Bauarbeitern im münsterländischen Nottuln, die mit den Vorarbeiten für eine Umgehungsstraße beauftragt waren. Als sie auf Strukturen im Boden stießen, die sie nicht zuordnen konnten, wurde der Kampfmittelräumdienst gerufen. Mithilfe von speziellen geomagnetischen Geräten wurde schnell klar: Diese rechteckigen Strukturen, die sich unter der Oberfläche abzeichneten, waren von Menschen erschaffen worden. Der Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe wurde zu Rate gezogen und stellte fest: Bei dem Fund handelt es sich um einen alten Ziegelbrennofen – den besterhaltenen aus der Zeit der Wanderziegler und das nur einen Steinwurf vom heutigen Standort des Klinkerwerks Hagemeister entfernt.DCIM100GOPROGOPR0174.

Irgendwann im 19. Jahrhundert, spätestens in den 1820ern, muss diese Anlage in Betrieb gewesen sein, schätzen die Experten. Fingerabdrücke in Ziegeln, die im Boden gefunden worden waren, zeugen noch heute von der schweren Arbeit, die die Ziegler hier verrichtet haben. Gemutmaßt wird, dass sie diese Anlage nur solange betrieben, wie sie nötig war – vermutlich, um für das 1748 bei einem Feuer zerstörte Nottuln den notwendigen Baustoff zu liefern.
Schürgänge zur Befeuerung, Brennkammer und eine Rampe als Zugang haben den Zahn der Zeit überlebt, ein Stück entfernt wurde die Grube lokalisiert, in der die Ziegler den Ton mühevoll abgebaut haben, um ihn dann zunächst mit eigener Muskelkraft, später mithilfe von Pferden mit Wasser zu mischen und ihn so geschmeidig zu machen.
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04. Mai

Geschichte des Klinkers Teil 2

Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert

veröffentlicht am 04.05.2016 um 11:01 Uhr / von Simone Müller / 1 Kommentar

Der Einsatz von Ziegel zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte des Bauwesens. Im ersten Teil unserer Blogreihe beschäftigten wir uns bereits mit den Urformen des Materials vor 12.000 Jahren bis zur Spätantike. Zwischen Mittelalter und 19. Jahrhundert erlebte die Klinkerarchitektur jedoch phasenweise Hoch- und Tiefpunkte: Mit der Backsteingotik hatte der gebrannte Ton um 1200 abermals an Bedeutung gewonnen. Die römische Kirche errichtete mithilfe des massiven Baustoffs imposante Gebäude. Während der Renaissance und dem barocken Zeitalter trat der Stein als sichtbares Element zunächst wieder in den Hintergrund. Mit der industriellen Revolution wurde der Brennvorgang mechanisiert und der Ziegel nahm erneut erheblichen Einfluss auf die Architekturgeschichte. Erstmals normten Richtlinien das Format der Steine.

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29. Jan

“Klinker ist ein disziplinierendes Material”

IM GESPRÄCH MIT JAN PETER WINGENDER

veröffentlicht am 29.01.2016 um 12:07 Uhr / von Simone Müller / 0 Kommentare

Jan-Peter-WingenderBeständige, funktionale und zum Ort passende Bauten charakterisieren die Architektur von Jan Peter Wingender, Mitgründer des Amsterdamer Büros Office Winhov. Im Interview spricht der Architekt, Hochschuldozent und Buchautor über Materialdenken, Veränderungen und Trends in der niederländischen Baukultur sowie seinen besonderen Bezug zum Baustoff Klinker.

Herr Wingender, wie würden Sie Ihre Architektur beschreiben? 

Jan Peter Wingender: In unserem Büro interessieren wir uns besonders für gewöhnliche Gebäude. Die Stadt ist auf Grundlage solcher Bauten geschaffen. Wir verstehen darunter Architektur, die sich nicht in den Vordergrund drängt, sondern sich mit dem städtebaulichen Kontext auseinandersetzt und in das Stadtgefüge integriert. Häufig werden solche Objekte fälschlicherweise als normal oder sogar banal eingestuft. Jedoch sind sie nicht einfach zu entwickeln. Hinter ihrer vermeintlichen Gewöhnlichkeit steckt eine Raffinesse, die ihnen schließlich einen Sinn verleiht. Sorgfältige Studien des Ortes und eine starke formale, materielle Präsenz charakterisieren unsere Designs.

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15. Mai

Architekt Justus Mayser: Potsdamer Bungalow

Moderne in Backstein

veröffentlicht am 15.05.2015 um 15:25 Uhr / von Marcel Lohmann / 0 Kommentare

Beim Bau des Bungalows in Potsdam Glienicke gab es von Anfang an eine sehr fruchtbare Beziehung von Architekt und Auftraggeber: „Beide Bauherren hatten schon Erfahrung mit dem Bau von Häusern gesammelt“, sagt der in Michendorf ansässige Architekt Justus Mayser. „Es war sehr wohltuend, mit Leuten zu arbeiten, die wissen, was beim Bauen alles passieren kann.“
Berlin_ Arch Mayser_Manchester ModF (1)Die Bauherren sind nach Potsdam gezogen, um in der Nähe ihrer Kinder zu sein. Auf dem 1.497 m2 großen Grundstück sollte ein Alterswohnsitz entstehen, um dort naturnah zu leben. Das Ehepaar hatte den Wunsch, alle Wohneinheiten auf einer Ebene barrierefrei unterzubringen, damit sie dort im fortgeschrittenen Alter nicht wieder ausziehen müssen.
Da die Bauherren bereits Kompetenz mitbrachten, konnte der Architekt sich dem Projekt auch auf einer inhaltlichen Ebene annähern: „Wir sind gestartet, wie ich es sonst eigentlich nicht mache“, sagt Justus Mayser. „Ich habe aus der Literatur Beispiele rausgesucht, und wir haben darüber diskutiert“. Zu den Inspirationsquellen gehörten die Bauten von Mies van der Rohe wie zum Beispiel das Farnsworth House oder auch die berühmten Case Study Houses in Kalifornien. (weiterlesen …)


14. Apr

Kunst in allen Disziplinen

PETER BEHRENS (*14. APRIL 1868 IN HAMBURG; †27. FEBRUAR 1940 IN BERLIN)

veröffentlicht am 14.04.2015 um 14:40 Uhr / von Simone Müller / 0 Kommentare

Peter_Behrens,_um_1913

Architekt Peter Behrens, um 1913. Fotografie von Waldemar Titzenthaler

Der Begriff „Industriedesign“ ist in der heutigen Zeit eine von vielen genutzte Beschreibung für die Gestaltung von Alltagsgegenständen. Wer diesen Begriff aber maßgeblich geprägt hat und für die Entwicklung und Verbreitung dieser Kunstform verantwortlich ist, wissen nur wenige. Peter Behrens, geboren im Jahr 1868 in Hamburg, war Architekt, Maler, Grafiker, Designer, Typograf und Erfinder der ersten Corporate Identity. Die Architektur brachte sich das Universaltalent autodidaktisch bei und überzeugte mit eindrucksvollen Entwürfen und Bauten. Immer wieder griff Behrens auf Klinker als prägendes Fassadenmaterial zurück, so auch beim Bau des Hauptlagerhauses der Gutehoffnungshütte in Oberhausen oder dem Technischen Verwaltungsgebäude der Hoechst AG in Frankfurt. Mit seinen Arbeiten inspirierte er namhafte Künstler und war unter anderem Lehrer renommierter Architekten, wie zum Beispiel Walter Gropius, Ludwig Mies van der Rohe oder Le Corbusier.

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12. Feb

Planungsbüro pbr: Staatsarchiv Stade

Massivität und Transparenz im Wechselspiel

veröffentlicht am 12.02.2015 um 15:06 Uhr / von Marcel Lohmann / 0 Kommentare

Mit seiner klaren Formensprache fügt sich der Neubau des Niedersächsischen Landesarchivs am Standort Stade harmonisch in das bestehende Stadtbild ein. Der Entwurf des Planungsbüros pbr aus Osnabrück stellt eine optimale Verbindung von Raumangebot, Schutz der Archivalien und Nachhaltigkeit her. Drei kubische Baukörper sind über eine zentrale Erschließung miteinander verbunden und spiegeln ihre unterschiedlichen Funktionen in der Gebäudehülle wider. Aus der Kombination verschiedener Fassadenelemente ergibt sich ein spannungsreiches Wechselspiel von geschlossenen und offenen Partien. Klinker der Sortierung „Lübeck“ aus dem Nottulner Klinkerwerk Hagemeister verleiht dem Komplex einen massiven, schützenden Charakter und schlägt eine Brücke zum ziegelgeprägten Stadtgebiet.

Stade_Grabenweg_Neubau Landesarchiv_Verwaltung + Archiv_NF Lübeck (27)

Das neue Staatsarchiv in Stade ist nicht nur aus architektonischer Sicht besonders: Die länderübergreifende Zusammenarbeit im Archivwesen zwischen der Landesregierung Niedersachsens und der Freien Hansestadt Hamburg ist bundesweit einzigartig. Im alten Staatsarchiv Stade, das Mitte der 60er-Jahre entstand, waren die räumlichen Kapazitäten für die Aufbewahrung von Grundbüchern und Akten erschöpft. Außerdem entsprach das Archiv nicht den Anforderungen einer fachgerechten Aufbewahrung von Archivgut. Der Neubau zeichnet sich neben Raum für 50 Regalkilometer, durch kurze Wege sowie eine moderne Ausstattung aus. Die Planer setzten auf das Prinzip der natürlichen, passiven Klimatisierung, die ein selbst stabilisierendes Raumklima generiert. Durch diesen Schritt werden Betriebskosten gespart und die Nachhaltigkeit aus ökologischer Sicht sichergestellt. (weiterlesen …)


16. Okt

Expressionistische Ikone aus Backstein

Das Chilehaus in Hamburg

veröffentlicht am 16.10.2014 um 9:41 Uhr / von Simone Müller / 0 Kommentare

Hagemeister_Chilehaus-(2)

von Lumu [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)]

 

Es ist ein Paradebeispiel für eindrucksvollen Backsteinexpressionismus – das im Jahr 1924 eröffnete Chilehaus. Das von der Backsteingotik der 1920er Jahre geprägte Gebäude ist eines der großen Aushängeschilder der Hansestadt. Architekt Fritz Höger hat den Bau im Auftrag des Hamburger Kaufmanns Henry Brarens Sloman entworfen. Mit 36.000 m2 Bruttogeschossfläche und bis zu zehn Stockwerken war das Chilehaus eines der ersten Hamburger Hochhäuser. Das Besondere an diesem eindrucksvollen Gebäude, das mit seiner charakteristischen Fassadenspitze an der Ostseite einem Schiffsbug ähnelt, ist der verwendete Klinker. Mit detailreichen Reliefs und in abwechslungsreichen Mustern verlegt, bringt das raue, deformierte Baumaterial Bewegung in die schwere Hülle des denkmalgeschützten Backsteinbaus.

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03. Sep

Amsterdamer Schule

Geschwungene Linien aus Backstein

veröffentlicht am 03.09.2014 um 10:51 Uhr / von Simone Müller / 0 Kommentare

Foto 4Unverkennbar ist der vielseitige Einsatz von Ziegelsteinen, die das Markenzeichen der Amsterdamer Schule sind. Die Stilrichtung der klassischen modernen Architektur prägt heute maßgeblich das Stadtbild von Amsterdam. Verschiedenen Backstein-Arten gliedern die Fassaden optisch. So wirken sie weniger massiv und erscheinen dynamischer. Bekanntester Vertreter des „Backsteinexpressionismus“, der seinen Höhepunkt zwischen 1910 und 1930 erlebte, ist Architekt Michel De Klerk. Mit seinem Werk „Het Schip“, zu Deutsch „Das Schiff“, verewigte er sich im Stadtbild. Die Amsterdamer Schule ist untrennbar mit dem sozialen Wohnungsbau verbunden. Die Gebäude erfüllen aber weit mehr, als den reinen Zweck der Wohnraumgewinnung. (weiterlesen …)


28. Jul

„Man muss Klinker nicht gestalten, er ist Gestaltung selbst.“

Professor Christoph Mäckler über die Bedeutung und Zukunft von Klinker

veröffentlicht am 28.07.2014 um 10:19 Uhr / von Simone Müller / 0 Kommentare

SW_ProfMäcklerArchitekt, Hochschullehrer und Gründer des Instituts für Stadtbaukunst, Professor Christoph Mäckler, vertritt eine Architektur der Angemessenheit. Dabei stehen die Funktionalität und die Dauerhaftigkeit der Gebäude sowie die Eingliederung der Bauten in ihren städtebaulichen Kontext im Vordergrund. Am  Klinker schätzt er besonders dessen langlebigen und lebendigen Charakter. Im Interview spricht er über Qualitäten und Grenzen des Baustoffs, über Klinkerkultur und Vor- und Nachteile aktueller Wärmeschutzmaßnahmen.

Welche architektonischen Einflüsse haben Sie in Ihrer Laufbahn geprägt? Wie definiert sich Ihre Architektur?

Professor Christoph Mäckler: Mich hat zunächst der Funktionalismus geprägt und die Art und Weise, wie in den 70er Jahren in Deutschland Architektur gemacht wurde. Der Funktionalismus hat dazu geführt, dass wir wieder angefangen haben, über Architektur nachzudenken, insbesondere über Stadtarchitektur. Ich orientiere mich an der Kultur der Stadt. Meine Gebäude beschäftigen sich immer mit dem Ort an dem ich baue, mit seiner Geschichte, seiner Kultur und mit seinen Materialien. Ich schaue mir an, wie sich der Ort im Laufe der Jahrhunderte entwickelt hat und versuche mit einer eigenen Architektur darauf einzugehen.

Welche Bedeutung hat Klinker für Ihre Architektur?

Professor Christoph Mäckler: Die Bedeutung des Klinkers ist für mich sehr groß. Ich habe schon als junger Architekt eines meiner ersten Gebäude mit Klinker versehen. Es handelte sich um eine Kindertagesstätte in Frankfurt am Main/Sossenheim. Bei der Planung bin sehr schnell auf einen Tonbrandklinker gekommen. Das Material hat mich überzeugt, weil es an sich schon ein Stück Gestaltung ist. Man muss Klinker nicht gestalten, er ist Gestaltung selbst. Er ist ein Element, das schön anzusehen ist. Das war damals für mich sehr wichtig. Und die Häuschen dieser Kindertagesstätte stehen heute noch wie eine Eins und werden auch in 100 Jahren noch dort stehen. Der Klinker ist einfach nicht zu zerstören, er hält über Jahrzehnte und Jahrhunderte, ohne dass man ihn sanieren muss. (weiterlesen …)


09. Jul

„Architektur beginnt, wenn zwei Backsteine sorgfältig zusammengesetzt werden.“

LUDWIG MIES VAN DER ROHE (*27. MÄRZ 1886 IN AACHEN; †17. AUGUST 1969 IN CHICAGO)

veröffentlicht am 09.07.2014 um 12:18 Uhr / von Simone Müller / 1 Kommentar

Ludwig Mies van der Rohe gilt als einer der einflussreichsten Architekten der Moderne. Seine Arbeit und Lehre haben die Architekturgeschichte maßgeblich geprägt und sind noch immer Vorbild zahlreicher Neubauten. Unverkennbar in all seinen Werken war die Umsetzung seiner klaren Prinzipien: Konstruktionen sollten logisch sein und möglichst einfach. Ästhetik schafft der Architekt mit Hilfe struktureller Elemente. Bei der Umsetzung seiner Visionen griff Mies van der Rohe immer wieder auf Klinker zurück. Der Architekt ersetzte ornamentale Verkleidungen durch kompakte, kubische Komponenten. Dabei achtete er stets darauf, dass das „Einfache nicht mit dem Simplen“ verwechselt wird. Heute hat sich die Aussage des Avantgarde-Architekten zu einem weit verbreiteten Sprichwort entwickelt: „Weniger ist mehr.“

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